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Logistik für Stammzellentransporte: Wenn der Kurier zum Lebensretter wird

  • 02/10/2008, Neu-Isenburg

  • Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind die selbstverständlichen Zielvorgaben einer jeden Logistiklösung. Absolut unerlässlich ist die Einhaltung dieser Kriterien beim Transport lebens­wichtiger Medizin- und Pharmastoffe
  • Produkt : On board Kurier

 

Rund 2.300 Erkrankte sind es hierzulande, für die das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) jedes Jahr nach geeigneten Spendern für eine Blutstammzelltransplantation sucht - im In- und Ausland. Für die Patienten, die beispielsweise an einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems wie Leukämie leiden, ist das Auffinden eines passenden Spenders nicht selten eine Frage von Leben und Tod.

Ist mit Hilfe des ZKRD ein möglicher Spender identifiziert worden, muss alles dafür getan werden, dass die gespendeten Zellen extrem schnell und hochgradig zuverlässig zum Empfänger befördert werden: Denn die Blutstammzellen besitzen eine äußerst geringe Haltbarkeitsdauer, die bei maximal 72 Stunden liegt. Also ist eine logistische Lösung gefordert, die bei den Kriterien Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit keinerlei Kompromisse eingeht.

Das ZKRD arbeitet mit time:matters, dem zur Lufthansa-Konzernfamilie gehörenden Spezial-Dienstleister für Sameday-, Kurier- und Notfall-Logistik, zusammen. Die time:matters-Experten, langjährig erfahren in der Beförderung extrem zeitkritischen und äußerst „frischhaltebedürftigen" Transportguts, haben für das Zentrale Knochenmarkspender-Register eigens eine individuelle Logistikkette entwickelt und realisiert. Kernbestandteil dieses Prozesses ist der Einsatz sogenannter On-Board-Kuriere (englisch: On Board Courier; abgekürzt: OBC). Diese „fliegenden Bodyguards" begleiten jede einzelne der wertvollen Sendungen persönlich von der ersten bis zur letzten Minute - und tragen beispielsweise dafür Sorge, dass das in speziellen Kühlboxen beförderte hochempfindliche Transportgut bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen nicht geröntgt wird.

Der konkrete Einsatz des OBC beginnt oftmals einen Tag vor der geplanten Spendenabgabe. So fand sich kürzlich ein time:matters-Kurier in einer Klinik in England ein - einen Tag bevor dort einem Spender Blutstammzellen entnommen wurden, die danach schnellstmöglich zu einem in Niedersachsen behandelten Erkrankten gebracht werden sollten. Die Kurierankunft bereits am Tag vor der Entnahme gilt logistisch als Sicherheits-Zeitpuffer: Denn da die Lebensdauer der Blutstammzellen begrenzt ist, wäre es fatal, wenn der Kurier beispielsweise infolge eines Flugausfalls zu spät in der Entnahmeklinik einträfe. Der Zeitpuffer gewährleistet, dass der Kurier das Präparat unmittelbar nach Freigabe sofort zum Patienten in die Transplantationsklinik bringen kann.

Beim Einsatz in England war dem OBC die Entgegennahme der Kühlbox für 15.00 Uhr avisiert worden. Jedoch enthielt die erste entnommene Spende nicht genügend Blutstammzellen, so dass für den Folgetag eine zweite Entnahme terminiert wurde. Mit der zweiten Entnahme wurde die erforderliche Zellzahl für die Transplantation erreicht, so dass der time:matters-Kurier den Behälter mit den Blutstammzellen um 16.30 Uhr in Empfang nehmen konnte. Zwischenzeitlich hatte die time:matters-Zentrale in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main flexibel reagiert und ein komplett neues Routing für den Transport erarbeitet - stand doch die für den Vortag eingeplante Flugverbindung nun ja nicht mehr zur Verfügung.

Da die Transportvorschriften untersagen, dass ein OBC im Einsatz ein Auto selbst steuert, fuhr der Kurier per Taxi von der Klinik zum Flughafen, von wo aus er mit dem nächsten Direktflug um 18.25 Uhr in Richtung Hamburg startete. Gemäß den strengen OBC-Bestimmungen, wonach die Sendung zu keinem Zeitpunkt aus den Augen gelassen werden darf, hatte der Kurier die Transportbox als Handgepäck mit in die Kabine genommen. Nach der Ankunft in Hamburg um 21.10 Uhr begab er sich auf schnellstem Weg zum Hauptbahnhof der Hansestadt, wo er in den nächsten ICE (Abfahrt: 3.11 Uhr) umstieg. In der niedersächsischen Stadt eingetroffen, führte ihn sein Weg per Taxi direkt in die Klinik, wo er die Sendung um 6.30 Uhr dem vom ZKRD benannten Mediziner übergeben konnte.

Von jedem Punkt seiner Reise aus hatte der OBC die time:matters-Zentrale über seinen derzeitigen Standort und über Start und Ablauf der jeweils nächsten Etappe informiert, so dass die zuständige Mitarbeiterin sowohl dem ZKRD wie auch der Empfangsklinik stets und lückenlos den aktuellen Sendungsstatus vermelden konnte.

Fazit: Ein komplexer, zudem kurzfristig umzuplanender Transportweg, strengste Beförderungsvorschriften, eine „hautnahe" Kontrolle des Sendungsverlaufs - viel Aufwand, mag mancher denken. Zu viel Aufwand? Wohl kaum! Geht es doch, ohne Übertreibung, ums Überleben eines Menschen.

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